Ausbruch aus einem Mißverständnis


1977 verfaßt – 2008 beurteilt

Vorbemerkung aus heutiger(2008)Sicht:

Der folgende Text ist die erste umfassende Kritik des “Revolutionarismus” der parteiorientierten Splittergruppen der 68er. Er liegt zeitlich vor der “Alternative” von Rudolph Bahro, die mit ähnlichen Argumenten die marxistisch-leninistische Revolutionstheorie in Frage stellte. Es war naheliegend – wenn nicht sogar notwendig – diese Kritik aus den Widersprüchen der Marx’schen Gesellschafts-und Geschichtstheorie zu entwickeln.

Heute würde ich die Kritik nicht mehr “immanent”entfalten sondern die Grundannahmen,von denen Marx ausging, einer logischen Überprüfung unterziehen. Vermutlich würde sich zeigen, daß Marx von den gleichen Konstanten – dem “homo oeconomicus”- ausgeht, wie die liberalen Markttheoretiker. Die Marx’schen Modelle sind dann ebenso wenig wie die Modelle des Neo-Liberalismus stimmig, wenn man die Möglichkeit in Betracht zieht, daß der”homo oeconomicus” selbst eine dem Wandel unterliegende”Größe” ist.

Die Marx’sche Gesellschafts-und Geschichtstheorie gehört zum Formenkreis des Newton’schen Weltbildes, dem die Annahme zugrunde liegt, daß es einen absoluten Raum und eine absolute Zeit gibt. Der Anspruch von Marx und Engels, den “Sozialismus” von einer Utopie zur Wissenschaft entwickelt zu haben, ist illusionär. Er steht für den untauglichenVersuch, das Leben der menschlichen Gemeinwesen dem klassischen (Newton’schen) naturwissenschaftlichen Gesetzesbegriff unterzuordnen. Allerdings hatte Marx eine Vorahnung davon, daß das Leben, d.h. lebendige Organismen, deren höchste Form die menschlichen Gemeinwesen sind, mit der klassischen naturwissenschaftlichen Logik (der instrumentellen Vernunft) allein nicht zureichend verstanden werden können. Er führte deshalb als “dialektischen Materialismus” Teilstücke der von Hegel entwickelten”spekulativen” Logik in seine Welterklärung ein. Es läßt sich zeigen, daß dieses Unternehmen auf einem groben Mißverständnis der Hegel’schen Logik beruht. Die historische Bedingtheit und Notwendigkeit dieses Mißverständnisses habe ich in der Rezension zu Avineris Buch”Hegels Theorie des modernen Staates” thematisiert.

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