Wozu Philosophie?

Deutsches Kolleg/Aussendung 001

Wir wollen handeln, um Deutschland zu retten.

Die Zeit drängt.

Verlieren wir nicht wertvolle Zeit, wenn wir uns jetzt – in der Not – mit Philosophie befassen?

Aber wie wollen wir Deutschland retten, wenn wir uns nicht mit Philosophie befassen?

Was heißt das überhaupt: „Wir wollen Deutschland retten?“

Worin besteht Deutschlands Not? Was ist Not-wendig in heutiger Zeit?

Die äußere Gefahr ist greifbar: Überfremdung, Durchmischung, Umvolkung.

Die innere Gefahr ist nicht weniger eindrucksvoll: Kulturverlust. Freiheitsverlust durch mediale Desinformation und Abrichtung der Deutschen zu Konsumenten.

So sehen wir unsere Lage. Aber was ist mit den Anderen?

Gegenprobe: Beruht die Wahrnehmung unserer Lage als Not unseres Volkes nicht auf Ver-rücktheit, auf einem Denken, das nicht am rechten Ort ist?

Sind die Fremden nicht eine Bereicherung für uns?

Bringen sie uns nicht die längst fällige Blutauffrischung?

Ist es nicht begrüßenswert , wenn wir uns zu einem neuen Erscheinungsbild weiterentwickeln, in dem europäische, asiatische und afrikanische Züge zu einer neuen Mischrasse, zu einem neuen „Schönen Menschen“ verschmelzen?

Sind die Reibungen zwischen der Ur-Deutschen Bevölkerung und den Neu-Deutschen aus der Fremde nicht eine heilsame Herausforderung, die uns zu kulturellen Höchstleistungen anspornen wird?

Man kann die Dinge auch so sehen.

Unsere Lage wird von uns Deutschen gegensätzlich wahrgenommen. Die Gutmenschen wollen nur gut und nicht deutsch sein. Sie sehen in der Umvolkung das Heil – oder ein Übel, das wir als Strafe für unsere Geschichtsschuld willig hinzunehmen haben. Wollen wir ihnen deshalb die Köpfe einschlagen? Soll den Deutschen unsere Kultur in Umerziehungslagern eingebläut werden?

Auf diesem Wege würden wir zu Ungeheuern, die es verdienten, erschlagen zu werden.

Es ist für uns wahr: Wie nie zuvor greift eine uns feindliche Macht mit Mitteln der Bewußtseinsbeeinflussung in unser Innerstes ein und zerstört es. Sie schafft in uns die Leere, die erst dem „American-way-of-life“ die Seelen öffnet. Die Verächtlichmachung der eigenen Kultur ist die Bedingung für die Schimäre von der „Multikultur“ und für die Auflösung unseres Volkes. Für uns ist der Zeitgeist Ausdruck unseres geistigen Elends:

Wir wissen nicht mehr, wer wir sind.

Wüßten wir es, blieben alle heute bekannten Manipulationstechniken wirkungslos. Aus dem Geist, der sich seiner selbst bewußt ist, erwächst eine Kraft zum Widerstand, der nichts auf der Welt standhalten könnte. Es kommt also darauf an, dieses Wissen in neuer Gestalt wiederzugewinnen. Daran hängt alles.

Schauen wir zurück auf die Jahrtausende der Menschheitsgeschichte und dann auf die in Hegel vollendete Deutsche Idealistische Philosophie, so nehmen wir drei deutlich unterschiedene Epochen wahr:

In der ersten Epoche sehen wir die Menschen in einem unbefangenen, gläubigen Verhältnis zu ihren Göttern. Die Glaubensinhalte sind aus der Tradition oder aus der Verkündigung geschöpft. Es ist das kindliche Zeitalter.

Darauf folgt die Epoche des Zweifels und der Verzweiflung. Der menschliche Verstand erstarkt, bemächtigt sich der Welt, indem er sie umschafft. Der Mensch – der endliche Geist – bricht die Macht der Tradition und der verkündeten Wahrheit (Gottestod) . Der von Gott losgerissene selbstische Mensch setzt sich selbst an die Stelle Gottes. Es ist das Zeitalter der Zerstörung, des Nihilismus und des Übergangs – das jugendliche Zeitalter.

In der Erfahrung des Gottestodes führt der endliche Geist ein Leben des Mangels: er ist da als unendliches – inneres und äußeres – Leid: Herrschaft der Lüge und der Angst, neurotische Zerrüttung der Seele, Massentötungen von Artgenossen.

Daß dieser Zustand uns als unerträglich erscheint, ist das eigentliche Wunder.

Was in der Verzweifelung untergeht ist nur der naive Glaube an Gott, nicht Gott – der absolute Geist – selbst.

Es ist das Leiden an der Leere, in dem sich uns Gott als der lebendige und unsterbliche offenbart und der Trieb ist, die Leere zu überwinden (horror vacui).

Denn was ist Leid? Leid als die Empfindung des Mangels ist die Entbehrung von etwas, das zu meiner Existenz gehört. Wer Hunger leidet, weiß, daß ihm die sättigende Speise fehlt, deren er zum Leben bedarf.

Die Annahme, daß wir auch dann an Leere leiden könnten, wenn da nichts wäre, das sie füllt, macht keinen Sinn.

Die Atheisten, die den Geist als die höchste Bewegungsform der Materie deuten, können den horror vacui nicht erklären.

Die Tatsache der Religiosität der Menschen erklären sie mit einem Defizit der Gattung Mensch. Diese bedürfe der Gottesvorstellung, um die Beschwernisse des Daseins ertragen und ein friedliches Leben führen zu können. Die Herausbildung dieser höchstorganisierten Materie erklären sie aus Zufall und Notwendigkeit: auf zufällige Weise entstünden immer neue Varianten des Lebens, die dem Härtetest des Kampfes ums Überleben ausgesetzt wären, in dem sich nur jene erhalten könnten, die ihrer Umgebung am besten entsprächen und konkurrierenden Arten überlegen seien.

Nach dem Zufallsprinzip müßten sich aber auch solche Varianten geistiger Wesen eingestellt haben, denen die Beschwernisse des Daseins nicht aufs Gemüt schlagen und die auch ohne Vorstellung von einem Gott untereinander Frieden halten können, die also der Religion nicht bedürftig wären. Hätte sich diese Variante im Vergleich mit den gottesbedürftigen Mutanten nicht als überlegen erweisen müssen? Die unsensible und naturhaft gemeinschaftsfähige Specie hätte dann die andere längst verdrängt.

Nun ist diese – hier zwischengeschaltete – Überlegung nicht der letztgültige Beweis vom Dasein Gottes. Sie ist nur geeignet, den gebräuchlichsten Einwand gegen den Erkenntniswert des Leidens abzufertigen.

Ausgehend von Kant hat sich die Deutsche Idealistische Philosophie des 18. und 19. Jahrhunderts am Gottestod abgearbeitet. Konnte es noch scheinen, als wollte Kant der auf verkündeter Wahrheit beruhenden Religion den Platz behaupten, ist mit Hegel dem jenseitigen, sich nur in der Verkündigung offenbarenden Gott endgültig der geistige Boden entzogen worden. Das war nur möglich, weil Hegel auf einfache, die Gedanken zwingende Art und Weise die Existenz des absoluten Geistes, also Gottes, im endlichen Geist , also im Menschen, soweit er Geist ist, aufzeigen konnte.

Hegel steht damit am Anfang des Dritten Zeitalters, des Zeitalters des zur Vernunft gereiften Verstandes, des Mannesalters der Menschheit. Dieses ist das Reich der Freiheit, weil das Wissen von Gott, die Wahrheit, seinen Boden jetzt ausschließlich in der eigenen, ausschließlich durch das Denken, d.h. in der Philosophie, hervorgebrachten Überzeugung der Menschen hat und der Geltungsanspruch jeglicher Verkündigung mit all den damit verbundenen Herrschaftsverhältnissen aufgehoben ist.

Hegel selbst hat diese geistige Revolution in der ersten These seiner Habilitationsschrift angekündigt, die die kopernikanische Wende der Philosophie wie folgt ausdrückt:

Contradictio est regula veri, non contradictio falsi

Widerspruch ist Richtschnur des Wahren, Widerspruchsfreiheit des Unwahren

Es geht darum, diesen Geist, der in uns ist, immer schon in uns war und immer in uns sein wird, wieder zu entdecken, d.h. sich bewußt zu machen.

Das Selbstbewußtsein des Geistes in uns kann nicht mehr, wie in früheren Zeitaltern durch Verkündigung der Wahrheit, durch Tradition und Autorität erweckt werden. Es kann nur noch als unsere eigene unerschütterliche Überzeugung in uns selbst aufsteigen und von uns Besitz ergreifen. Diese Besitzergreifung ist die höchste Form der Freiheit, deren die Deutschen heute fähig sind.

Damit sind alle reaktionären und konservativen Bestrebungen in den Stand des Unrechts versetzt. Sie beharren auf der Autorität der Verkündigung und der Tradition, schmähen bedingungslos jene Kräfte der Zersetzung, die Gott ermordet und damit unendliches Elend angerichtet haben. Die konservativen Kritiker der Moderne bedenken nicht, daß dieses Zerstörungswerk nicht ohne Gottes Willen geschah: Der lebendige Gott, der sein Dasein in den endlichen Geistern hat, befreit sich selbst vom geronnenen Geist, wie er in Mythen und Verkündigungen (verkündeten Offenbarungen) vorhanden ist. Es ist dem absoluten Geist als der Idee der Freiheit unangemessen, daß er in seiner daseienden Gestalt als subjektiver Geist (Mensch) und als objektiver Geist (Staat) einer vorgesetzten Wahrheit als seinem Gesetz huldigen soll.