2020/03/08 – Gedanken und Fragen eines Theologen zu „Das Ende der Wanderschaft“ – und Antwort von Horst

08.03.2020

Sehr geehrter Herr Mahler,

ich geb’s zu: Ich bin spät dran – doch erst im 64. Lebensjahre stehend, gelange ich an den Punkt, mir jüngst „Das Ende der Wanderschaft” in der Hörbuchversion – nebenliegend das Buch – einzuverleiben. Einige Gedanken und Fragen dazu möchte ich an Sie richten, ohne Sie darin mit tiefschürfenden eigenen Ergüssen behelligen zu wollen.

Als Ursünde aller „Theologie“ ist mir schon immer die mutwillige Trennung von Schöpfer und Schöpfung erschienen. Nur durch die so entstehende Lücke konnte doch all das Verderbliche seine Wucherungsstränge in die Geschichte ziehen, die die Welt nun so „gottlos“ haben werden lassen. Drei Fragen stellen sich mir dennoch bei der Vorgabe:

Gott = Schöpfung = ICH“

Wenn „Gott“ alles Kreatürliche, alles Geschaffene, alles Denkbare und Spürbare ist und darin im Sinne eines Pantheismus aufgeht – wird „er“ dann nicht – wie bei einer mathematischen Gleichung oder einem Bruch als gleicher Faktor und Zähler und Nenner – verlustfrei aus dem Ganzen herauskürzbar und somit überflüssig?

Und: Wenn „Gott” ICH ist, kann „Gott” dann auch in Dingen oder Wesen sein, die kein ICH-Bewußtsein besitzen? Oder wäre ICH am Ende die Bedingung, an der Gott sein Sein zu erweisen hat?
Schließlich: Ein „Gott“, der am Menschen endet, ist ein Götze, so haben Sie sinngemäß formuliert.

Ausgehend von der „Identität von Identität und Nichtidentität“ frage ich dagegen, ob auch ein Nichtvorhandensein die Qualität eines Vorhandenseins besitzt, nur eben in seiner Negierung? Somit wäre dann fatalerweise auch wieder ein Götze außerhalb des Menschen plausibel.

Eindrucksvoll und für mich neu haben Sie die weite geographische Streuung des Judentums schon in antiker Zeit dargestellt.

Meine Frage: Läßt sich historisch verifizierbar denn eine vorjudäische Kulturepoche überhaupt ausmachen? Wo sollte man da suchen? Im ägyptischen Bereich womöglich? Mit anderen Worten: Wie denn ist das Judentum in die Welt gekommen? Ist es eine schlichte Erfindung von Moses?

Sie schreiben vom „Juden in uns”. Wie gelangt dieser dorthin? Geht es um Indoktrinierung durch mosaische Glaubenssätze oder geht es um eine Anlage im Menschen an sich; ist also jeder Mensch potentiell auch Jude?

Umgekehrt: Wie ist es mit dem Menschen im Juden? „Durch Beschneidung wird der Hebräer zum Juden”, formulierten Sie im jetzt veröffentlichten „zweiten Offenen Brief…“ Verstehe ich Sie also richtig: Es braucht die Erlösung der Judenheit vom Judentum, damit die Judenheit ein Teil der Menschheit wird? Ist dasselbe dann auch jedem einzelnen Individuum aus der Judenheit persönlich möglich?

Zum Schluss: Sind Sie denn Christ (geworden)? Mit Bibelstellen jonglieren Sie jedenfalls genauso elegant und treffsicher wie mit Paragraphen. Mit Recht benennen Sie Paulus als Begründer der „christlichen Theologie“. So erklärt nun also ein Jude der nicht-jüdischen Welt den Juden Jesus, den sie „den Christus“ nennen? Was aber ist von einem „Christus“ zu halten, der in den Selbsterkenntnis-Prozess des Götzen Jahwe dieselbe Rolle spielt, die einst Isaak als Blutopfer zugedacht war? Was ist von einem gottgewordenen Götzen zu halten, der auf dieselbe schauerliche Art und Weise durch die Marter Jesu „Erlösung“ schafft, wie er vorab sich sein erwähltes Volk mit Blut zur Geisel genommen hat?

Ist es nicht so: Wer die Heiligkeit der Schöpfung ernst nimmt, braucht hierfür keinen Erlöser mehr! All meinen eigenen Studien zufolge – ich bin selbst Theologe und war bis 1998 Pfarrer der evangelisch-luth. Kirche in Bayern, bevor man mir dann nahegelegt hat, aus dem Dienst zu scheiden, um ein Lehrzuchtverfahren zu vermeiden – Hat Jesus niemals beansprucht, der Christus zu sein; dies ist eine Erfindung von Paulus, um mit diesem neuen religiösen Produkt den hellenistischen Markt zu beglücken und das Judentum inkognito dorthin zu exportieren („Christentum ist Judentum für Nichtjuden“, Benjamin Disraeli). Auch die dritte monotheistische Religion – den Islam – sehe ich hier im Bunde. Diese drei seien wie die drei Stufen einer Drei-stufigen Rakete, hat Bernhard Schaub einmal gesagt.

Also: Brauchen wir diese Drei wirklich – oder auch nur eine davon, um der Göttlichkeit des Seins auf die Spur zu kommen?

Und brauchen wir die jüdischen Narrative und ihre Protagonisten, um uns in deren Spiegelbild – und sei es das „Gute“ – erkennen zu können?

Muß ich zwingend Esau sein, nur weil Jakob Jakob ist?

Gibt uns nicht die eigene indogermanisch-arisch-keltisch-nordische Überlieferung alles an die Hand, um im Bunde mit der daraus entstandenen Deutschen Denktradition bis hin zu Hegel und dann zum Nationalsozialismus alles zu durchdringen, was durchdrungen werden muss, um an die Quellen des Daseins zu gelangen und aus diesen zu leben?

Ich weiß, meine Fragen sind weder vollständig noch inhaltlich vollends koordiniert. Sie sind schlicht ein erster Versuch, an Ihren Erkenntnissen teilzuhaben. Ich halte „Das Ende der Wanderschaft” für einen denkerischen Meilenstein und danke Ihnen sehr für die Ausformulierung dieser Gedanken. Das Wandern darin ist allerdings wie ein Marathonlauf auf den Mount Everest…

Seien Sie sich jedoch versichert: All das fällt auf fruchtbareren Boden, als es sich aus der Zelle heraus womöglich anfühlt.

Ob Sie mir antworten können oder wollen, weiß ich nicht – noch nicht einmal, ob Sie dieses Schreiben überhaupt erhalten.

In jedem Falle aber wünsche ich Ihnen bleibende geistige Regsamkeit, den eisernen Willen haben Sie ohnehin längst bewiesen.

Mit achtungsvollen, kameradschaftlichen Grüßen

*****

 

Horst Mahler am 17. März 2020
den Schriftwechsel als PDF

Sehr geehrter Herr C.,


herzlichen Dank für Ihren Brief vom 8. des Monats, den ich heute erhalten habe.

Vorab verweise ich auf den jüngst erschienen Text, der als Reaktion
auf zwei Reden von Donald Trump erschienen ist
(https://wir-sind-horst.de/2020/03/08/trumps-heilsgeschichtlicher-kampf/).
Sie finden dort auf den Seiten 38-44 des PDF die Ausführungen zu Hegels Logik, auf die ich mich bei der Beantwortung beziehen werde.

GOTT ist in logischer Sprache „DER ABSOLUTE”, der, der von nichts abhängt, das er nicht selbst ist. So ist er f r e i .

„Gottlos“ ist die Welt nur in der Hinsicht, daß wir IHN nicht e r k e n n e n . Das wird sich durch Philosophie jetzt ändern. Ich beziehe mich dabei auf die Ihnen bereits nahegelegte Stelle im Text zu den Trump-Reden.

Wie Leukipp suchen Sie das Übel in den „Poren” der Welt, indem Sie schreiben

Nur durch die so entstehende Lücke (Sie meinen die Trennung von Gott und Mensch) konnte doch all das Verderbliche seine Wucherungsstränge in die Geschichte ziehen, die die Welt nun so ‚gottlos’ haben werden lassen”.

Sie beißen sich hier die Zähne an einem Rätsel aus, das den „philosophus teutonicus”, Jakob Böhme, umtrieb, und das er – noch befangen in der Sprache der Deutschen Mystiker – für alle Zeiten nach ihm gelöst hat: Das Leben Gottes selbst kann nicht gedacht werden, ohne das Böse als Moment desselben zu b e g r e i f e n .
Am „Widerwärtigen” erst erfährt Gott, was er nicht will und nicht ist, d.h. daß er „Guter Wille” ist.

Diese Erkenntnis ist der Ausgangspunkt der Deutschen Idealistischen Philosophie, die Hegel in l o g i s c h e r Begrifflichkeit zur Vollendung gebracht hat.

GOTT erschafft die Welt nicht zu unserer Erbauung. Er bringt sie aus sich hervor als seine Erscheinung, in und an der er sich selbst erkennt – und der MENSCH ist sein (Selbst-)Bewußtsein sowie sein Erinnerungsspeicher.

Das Leid der Welt tut er nicht einem ANDEREN an. Es ist vielmehr s e i n Geburtsschmerz. GOTT fühlt sich DURCH den und i m MENSCHEN.

Für eine m o r a l i s c h e Be-und Verurteilung „der Welt” ist da kein Raum. Wer wollte GOTT auf die Anklagebank setzen? Er ist wie er ist und er ist, wie er sich weiß. Als  B e w e g u n g  gibt er sich Mose zu erkennen

Ich werde sein, der ich sein werde” (2 Mose 3,14).

Jahwe ist das Wissen der Hebräer von Gott. Die Christenheit hat ein anderes Wissen von Gott. Die Substanz des Wissens ist GOTT ÜBERHAUPT. Erst im r e i n e n D e n k e n – in der Vernunftlogik – ist Gott ganz bei sich im D e n k e n , der ALLMÄCHTIGE.

PANTHEISMUS ist ATHEISMUS, in dem er GOTT nicht fasst als das EINE (pulsierende) SEIN, das sich zu einem O r g a n i s m u s ur- t e i l t und aus der Teilung u n m i t t e l b a r in den nun konkreten EINEN zurückfindet.

Der Pantheismus verblutet in der Vorhandenheit, dem SEIN ohne WOHER? und ohne WOHIN?, d.h. ohne NOTWENDIGKEIT.

Sie pochen auf „alles Kreatürliche, alles Geschaffene, alles Denkbare und Spürbare” – alles „Hohlheiten des ENDLICHEN”, denen die Seele, das „wahrhaft Unendliche”, entwichen ist. Hier ist Nützliches auf den Seiten 236-261 / PDF 129-147 in meinem Buch „Das Ende der Wanderschaft” nachzulesen. Wie Hegels diesbezügliche Ausführungen auf mich gewirkt haben, ist mit der „biographischen Notiz” (a.a.O. S. 244 / PDF S.136) gesagt.

Ob etwas überflüssig ist oder nicht, ist die Beurteilung eines Verhältnisses Unterschiedener, die für sich bestehen. Sie setzen also etwas voraus – nämlich, daß ein Äußerliches, d.h. ein nicht n o t w e n d i g e s Verhalten in Rede steht.

Wir stehen damit an der Wegscheide von Idealismus und Materialismus. Der Materialismus geht von der Vorfindlichkeit des Kosmos aus. Der Idealismus begreift den Kosmos als die E r s c h e i n u n g eines I n n e r e n , wie immer man dieses nennen will.

In der Nachfolge von René Descartes sind Hegel und Einstein (ein Jude!) Idealisten: Sie bezweifeln alles, um herauszufinden, was das Denken nicht in Zweifel ziehen kann.

Für Einstein kam die Erleuchtung mit der Wahrnehmung des „Doppler-Effekts”; für Hegel mit der Frage, welcher Gedanke der einfachste ist, den das Denken in sich finden kann.

Einstein wurde sich klar darüber, daß die Wahrnehmung von der relativen Geschwindigkeit abhängt, mit der der Wahrnehmende zum Wahrgenommenen in Beziehung steht.

Die Versuchsanordnung zur Verifizierung dieser These ist
d e n k b a r e i n f a c h : Sie stehen mit rechtwinkliger Blickrichtung an einem gerade verlaufenden Gleis. Sie hören das Geräusch eines herannahenden Zuges. Pegel und Tonfrequenz steigen kontinuierlich an, bis der Zug mit Ihnen auf gleicher Höhe ist. Danach fallen diese Parameter schlagartig ab. – Die Physiker nennen dieses Phänomen „Zeitdilatation”.

Hegel bedurfte keiner (äußeren) Versuchsanordnung, ihm genügte sein Denken. Den Verlauf seiner Analyse stellte er mit „Die Lehre vom Sein” im ersten Buch seiner „Wissenschaft der Logik” dar. Als nicht mehr bezweifelbaren Satz hatte er die Erkenntnis gewonnen, daß das reine Sein und das reine Nichts dasselbe ist und folgerte daraus:

Was die Wahrheit ist, ist weder das Sein noch das Nichts, sondern, daß das Sein im Nichts und das Nichts im Sein – nicht übergeht – sondern übergegangen ist. Aber eben so sehr ist die Wahrheit nicht ihre Ununterschiedenheit, sondern, daß sie n i c h t d a s s e l b e , daß sie
a b s o l u t u n t e r s c h i e d e n , aber ebenso ungetrennt und untrennbar sind und unmittelbar

j e d e s i n s e i n e m G e g e n t e i l v e r s c h w i n d e t. Ihre Wahrheit ist also diese B e w e g u n g des unmittelbaren Verschwindens des einen in dem Anderen: das W e r d e n ; eine Bewegung, worin beide unterschieden sind, aber durch einen Unterschied, der sich ebenso unmittelbar aufgelöst hat” (W5,83).

Es haben sich ganze Schwärme von „Philosophen” daran versucht, diese Sätze als „unwahr” zu erweisen, zuletzt auch Martin Heidegger („Sein und Zeit”), der 1956 in seiner zweiten Schrift zur Metaphysik eingestehen mußte, daß ihm das nicht gelungen sei (aus der Erinnerung nach Wilhelm Weischedel „Der Gott der Philosophen”). Jean-Paul Sartre ist es ebenso ergangen. Kurz vor seinem Ableben gestand er seinem Sekretär, daß er sein Werk „Die negative Dialektik” für einen Irrtum halte.

ICH ist das Selbst-Bewußtsein Gottes. Dabei ist ICH Allgemeinheit, die notwendig ur-geteilt in einer Komplexion unendlich vieler Iche da ist. Hier hilft die Analyse des Begriffs „Punkt”. Wir stellen uns einen singulären Punkt in Raum oder Zeit vor; einfaches Hier und Jetzt.

Der RAUMPUNKT – hier groß geschrieben – ist als Aufhören des Raums (Negation des Raumes) selbst räumlich. Als Raum hat er ein Oben, ein Unten, ein Hinten, ein Vorn. Jede dieser Bestimmtheiten ist Dasein im Raum – selbst Punkt. Auch dieser hat ein Oben, Unten, Vorn, Hinten usw. Alles, was wir im denkenden Bewußtsein haben, kommt als G e d a n k e an uns. Ist der Gedanke uns noch nicht durch unser eigenes Denken v e r m i t t e l t – also nur  u n m i t t e l b a r auf – und angenommen – , ist er nur eine Meinung, so wie der „singuläre Punkt”. Diese Meinung hat sich als unwahr erwiesen: Der Punkt ist nicht singulär, sondern eine unendliche Komplexion und als solche Allgemeines = Gedanke.

Es waren die Schüler des Heraklit, die nach der Überlieferung als Erste diese Idealisierung der Realität bemerkt haben. Sie belehrten ihren Meister darüber, daß er nicht nur nicht zweimal in den selben Fluss steigen könne, sondern auch nicht – wie er vorausgesetzt hatte – einmal; denn „der Fluss” ist nur als
G e d a n k e . Und in den kann man nicht steigen.

Vor ein paar Tagen lief im Fernsehen eine Dokumentation über Albert Einstein. Dieser hat bekanntlich eine Fülle von Forschungen angestoßen, die darauf ausgerichtet waren, die Relativitätstheorien (die besondere und die allgemeine) zu falsifizieren. Diese Forschungen führten zu den glänzendsten Erfolgen, die Einstein bestätigten. Stephen Hawking krönte diese Forschung mit der „Ur-Knall-Theorie”, die nicht nur Einstein bestätigt, sondern die Physik zum „Kronzeugen” für den Hegel’schen BEGRIFF macht.

In der Dokumentation kam ein Physiker zu Wort, der den Ausdruck „intuitätsfremd” in Bezug auf die Entdeckungen der Astro-Physiker verwendete – und damit „den Nagel auf den Kopf traf”.

Hegel hatte im reinen Denken gezeigt, daß GOTT, der Begriff, sich nicht in Raum und Zeit erscheint, sondern diese Naturbestimmtheiten im Denken aus sich hervorbringt. Er bezeichnete die Vernunftlogik als „Gott vor der Erschaffung der Welt” und erkannte in den „parapsychologischen Phänomenen” (Telepathie, Präkognition, Somnambulismus = Schlafwandelei u.a.) „das Sichlosmachen des Geistes von den Schranken des Raumes und der Zeit und von allen endlichen Zusammenhängen“ (Enzyklopädie der philosophischen Wissenschaften, § 379).

Stephen Hawking zeigte, daß Raum und Zeit Momente des „Urknalls” sind und die Frage: „Was war vor dem Urknall?” pure Gedankenlosigkeit ist.

Der „Urknall” ist gegenwärtig und „im Kosmos geht es vernünftig zu”.

Die Physik denkt seit dem 20. Jahrhundert weitgehend „hegelisch”, hält damit aber noch hinter dem Berge, um Jahwe nicht zu reizen; denn der beherrscht zu fast 100 % die Schaltstellen des Wissenschaftsbetriebes.

Da ich nicht weiß, ob Sie Hegels Werke zur Hand haben, lasse ich ihn hier mit einem längeren Zitat (Enzyklopädie der philosophischen Wissenschaften III, § 382 Zusatz, W 10, 26) zu Wort kommen:

Die Substanz des Geistes ist die Freiheit, d. h. das Nichtabhängigsein von einem Anderen, das Sichaufsichselbstbeziehen. Der Geist ist der für sich seiende, sich selbst zum Gegenstand habende verwirklichte Begriff. In dieser in ihm vorhandenen Einheit des Begriffs und der Objektivität besteht zugleich seine Wahrheit und seine Freiheit. Die Wahrheit macht den Geist, wie schon Christus gesagt hat, frei; die Freiheit macht ihn wahr. Die Freiheit des Geistes ist aber nicht bloß eine außerhalb des Anderen, sondern eine im Anderen errungene Unabhängigkeit vom Anderen, kommt nicht durch die Flucht vor dem Anderen, sondern durch dessen Überwindung zur Wirklichkeit. Der Geist kann aus seiner abstrakten für sich seienden Allgemeinheit, aus seiner einfachen Beziehung auf sich heraustreten, einen bestimmten, wirklichen Unter- schied, ein Anderes, als das einfache Ich ist, somit ein Negatives in sich selbst setzen; und diese Beziehung auf das Andere ist dem Geiste nicht bloß möglich, sondern notwendig, weil er durch das Andere und durch Aufhebung desselben dahin kommt, sich als dasjenige zu bewähren und in der Tat dasjenige zu sein, was er seinem Begriffe nach sein soll, nämlich die Idealität des Äußerlichen, die aus ihrem Anderssein in sich zurückkehrende Idee oder abstrakter ausgedrückt, das sich selbst unterscheidende und in seinem Unterschiede bei und für sich seiende Allgemeine. Das Andere, das Negative, der Widerspruch, die Entzweiung gehört also zur Natur des Geistes. In dieser Entzweiung liegt die Möglichkeit des S c h m e r z e s . Der Schmerz ist daher nicht von außen an den Geist gekommen, wie man sich einbildete, wenn man die Frage aufwarf, auf welche Weise der Schmerz in die Welt gekommen sei.
Ebensowenig wie der Schmerz kommt das
B ö s e , das Negative des an und für sich seienden unendlichen Geistes, von außen an den Geist; es ist im Gegenteil nichts anderes als der sich auf die Spitze seiner Einzelheit stellende Geist. Selbst in dieser seiner höchsten Entzweiung, in diesem Sichlosreißen von der Wurzel seiner an sich seienden sittlichen Natur, in diesem vollsten Widerspruche mit sich selbst, bleibt daher der Geist doch mit sich identisch und daher frei. Das der äußeren Natur Angehörende geht durch den Widerspruch unter; würde z. B. in das Gold eine andere spezifische Schwere gesetzt, als es hat, so müßte es als Gold untergehen. Der Geist aber hat die Kraft, sich im Widerspruche, folglich im Schmerz (sowohl über das Böse wie über das Üble) zu erhalten. Die gewöhnliche Logik irrt daher, indem sie meint, der Geist sei ein den Widerspruch gänzlich von sich Ausschließendes. Alles Bewußtsein enthält vielmehr eine Einheit und eine Getrenntheit, somit einen Widerspruch (…) Der Widerspruch wird aber vom Geiste ertragen, weil dieser keine Bestimmung in sich hat, die er nicht als eine von ihm gesetzte und folglich als eine solche wüßte, die er auch wieder aufheben kann. Diese Macht über allen in ihm vorhandenen Inhalt bildet die Grundlage der Freiheit des Geistes. In seiner Unmittelbarkeit ist der Geist aber nur an sich, dem Begriffe oder der Möglichkeit nach, noch nicht der Wirklichkeit nach frei; die wirkliche Freiheit ist also nicht etwas unmittelbar im Geiste Seiendes, sondern etwas durch seine Tätigkeit Hervorzubringendes. So als den Hervorbringer seiner Freiheit haben wir in der Wissenschaft den Geist zu betrachten. Die ganze Entwicklung des Begriffs des Geistes stellt nur das Sichfreimachen des Geistes von allen seinem Begriffe nicht entsprechenden Formen seines Daseins dar; eine Befreiung, welche dadurch zustande kommt, daß diese Formen zu einer dem Begriffe des Geistes vollkommen angemessenen Wirklichkeit umgebildet werden”.

A n  s i c h sind damit Ihre weiteren Fragen schon der Kritik unterzogen, die sie vernichtet, weil Sie mit ihnen Voraussetzungen machen, die unhaltbar sind.

Sie fragen:

Wenn ‚Gott’ ICH ist, kann ‚Gott’ dann auch in Dingen oder Wesen sein, die kein ICH-Bewußtsein besitzen? Oder wäre ICH am Ende die Bedingung, an der Gott sein Sein zu erweisen hat?”

Sie setzen voraus, daß ICH-Bewußtsein „besessen” werden kann. Von „Besitz“ kann man sich trennen, vom Bewußtsein aber nicht.

Sie setzen weiterhin voraus, daß es ICH und ANDERES – unterschieden und g e t r e n n t  – „gibt”.

Daß das ein Irrglaube ist, hat Hegel mit seinem Werk gezeigt. Einstein beglaubigt dieses mit seinen physikalischen Theorien.

Im Alltagsleben mag man bei den Wahngebilden des Verstandes verharren. Geht es aber um die Familie, die Person, das Volk, den Staat, die Nation und GOTT ist man vom Satan mit dem Verstand in ein Spiegelkabinett versetzt, in dem wir elend verrecken und als Volk aus der Geschichte ausscheiden.

Unsere wahnhafte Existenz wird nur deshalb nicht  f ü r  u n s , weil wir mit militärischer Gewalt in unsichtbaren Mauern festgehalten sind, in denen jeder der Insassen seinen Mit-Insassen versichert, daß sie allesamt richtig und wahrhaft denken und die Deutschen Philosophen – insbesondere Kant und Hegel – „Spinner” seien; in letzter Konsequenz „Nazis”.

Mit dem Versuch, diesen Augias-Stall auszumisten, haben Reinhold Oberlercher und ich im DEUTSCHEN KOLLEG diese Stigmatisierung bewußt in Kauf genommen.

Wir waren der festen Überzeugung, daß da noch Glut unter der Asche ist, zu der in zwei Weltkriegen das Deutsche Volk verbrannt ist.

Und mir ist diese Überzeugung geblieben, denn:

Der Geist (…) hat die Kraft, sich im Widerspruche, folglich im Schmerz (sowohl über das Böse wie über das Üble) zu erhalten
(…)

Der Widerspruch wird … vom Geist ertragen, weil dieser keine Bestimmung in sich hat, die er nicht als eine von ihm gesetzte und folglich als eine solche wüßte, die er auch wieder aufheben kann. Diese Macht über allen in ihm vorhandenen Inhalt bildet die Grundlage der Freiheit des Geistes” (Hegel; s.o.).

Sie:

Ein ‚Gott’, der am Menschen endet, ist ein Götze – so haben Sie sinngemäß formuliert. Ausgehend von der ‚Identität von Identität und Nichtidentität’ frage ich dagegen, ob auch ein Nichtvorhandensein die Qualität eines Vorhandenseins besitzt, nur eben in seiner Negierung? Somit wäre dann fatalerweise aber auch wieder ein Götze außerhalb des Menschen plausibel.”

Sie müßten mir schon verraten, wie Sie zu einem „außerhalb des Menschen” kommen.

Diese Gegenfrage muß erlaubt sein, nachdem im 17. Jahrhundert schon René Descartes das „Außen” im methodischen Zweifel endgültig bezwungen hat. Als einzige Gewißheit befand der den Satz „cogito ergo sum”. Damit hat er die „Innenansicht” auf das ICH eröffnet und es stellte sich die Frage: „Kommt der Geist – das ICH – jemals wieder zu einem „Außen”?

Wenn ja: Wie?

Keiner konnte sie zufriedenstellend beantworten. Kant resignierte, indem er behauptete, daß die „Vernunft” – so nannte er noch den Verstand – „das Ding an sich”, die Wahrheit (Gott), nicht erkennen könne.

Erst Hegel konnte die Philosophie aus diesem Dilemma befreien, indem er ihr aristotelisches Fundament – den Satz vom ausgeschlossenen Dritten – zerschlug und das Gegenteil an dessen Stelle setzte:

Der Widerspruch regiert die Wahrheit; Widerspruchsfreiheit die Unwahrheit”
(contradictio est regula veri; non contradictio falsi)

Das Geheimnis der Einheit von Vorhandenheit und Nichtvorhandenheit hatte vor den beiden Genannten der Jude Baruch Espinoza (Benedict Spinoza) mit der wahrhaften Erkenntnis

omnis determinatio est negatio”

gelüftet; den endgültigen „Beweis“, daß er wahr ist, hat erst Hegel mit dem Aufzeigen des Satzes erbracht:

Das reine Sein und das reine Nichts ist dasselbe”

Nach Spinoza ist jegliche Bestimmtheit – „Vorhandenheit” ist eine solche – Verneinung – hier: „Nichtvorhandenheit”.

Aber der von Ihnen an die Wand gemalte Teufel (Götze) „außerhalb des Menschen” läßt sich nicht blicken; denn das Äußere ist Erscheinung des Inneren, keine Konkurrenz für den EINEN GOTT.

Das Gleichnis für die Einsheit des Geistes ist die kosmische Schwerkraft. Deren sinnliches Dasein ist das erst im 20. Jahrhundert entdeckte „Schwarze Loch” – eine Komplexion unendlich vieler „Schwarzer Löcher”. Ihnen entkommt nichts Sinnliches, auch das Licht nicht. Das Gegenprinzip ist die als Ausdehnung daseiende Abstoßung.

Das „Schwarze Loch” „verdampft”, d.h. es ist an sich selbst das Gegenteil seiner selbst. Oppenheimer, der Konstrukteur der Atombomben, ist darauf aufmerksam geworden. Er formulierte seine Entdeckung mit dem Satz „Das Schwarze Loch hat Haare” – und wurde dafür von den US-Amerikanischen Frauenvereinen geächtet.

Ich komme auf Ihre Frage zurück:

Die Frage lebt von der Voraussetzung, daß GOTT „in Dingen” seiend gedacht werden kann.

DING” ist eine logische Bestimmung. Logische Bestimmungen sind in sich bewegte und bewegende G e d a n k e n .

Das GANZE (System) der logischen Gedanken ist der BEGRIFF = WAHRHEIT = DAS ABSOLUTE = GOTT

Die WAHRHEIT kommt zu sich im WISSEN (ICH als d e n k e n d e s Bewußtsein). Dieses WISSEN ist GOTT als IDEE, d.h. als WIRKLICHKEIT, die dem Begriff gemäß ist.

Die Vollkommenheit Gottes ist sein Wissen von sich, das er durch sein Tun erlangt. Dieses ist Denken. Denken ist Bewegung in sich selbst, d.h. unmittelbare Einsheit von Sein und Nichts (Werden). Es ist nichts denkbar, das nicht Gedanke ist.

Sie unterstellen mir den Satz:

Ein ‚Gott’, der am Menschen endet, ist ein Götze”;

–  nun, ganz so arg habe ich es nicht getrieben. Ich habe lediglich gezeigt, daß Jahwe sich nicht als unendlich weiß, indem er sich als erhaben, d.h. vom Menschen und aller Sinnlichkeit
g e t r e n n t   w ä h n t .

Die Unschaubarkeit („Du sollst dir kein Bild machen!” (2.Mose 20) ist ein einseitiges Wissen Gottes von sich, über das er hinausgetrieben wird mit der Erkenntnis, daß die sinnliche Welt ihm nicht vorgesetzt ist, sondern von ihm erzeugt ist als sein Sohn, den er liebt.

Diese Gestalt des Selbstbewußtseins Gottes – das Christliche – erträgt den Widerspruch von Geist und Sinnlichkeit, „weil dieser keine Bestimmung in sich hat, die er nicht als eine von ihm gesetzte und folglich als eine solche wüßte, die er auch wieder aufheben kann (Hegel, W 10,27).

Die Dinge sind in Gott als Momente seines Erscheinens geborgen. Ihre Frage suggeriert das umgekehrte Verhältnis; daß Gott sich „in den Dingen” verbirgt.

Es wird sich in unserem Gespräch entscheiden, ob Sie Lutheraner dem Begriffe nach sind oder – mit Verlaub – ein „Spinner”. Martin Luther befreite die Menschheit, indem er die Gotteserkenntnis dem Denken als solchem anvertraute. Als Sohn seiner Zeit war es ihm aber nicht gegeben, sich dem Denken gegenüber kritisch zu verhalten. René Descartes war ihm noch nicht erschienen.

Wer – wie Luther – dem Denken vertraut, dem kann ich, wenn er das will, im Denken Gott zeigen. Da braucht mir niemand zu glauben, nur hassen sollte er mich nicht – Hass blockiert das Denken.

Am Anfang ist das Denken – nicht das Gehirn – durch sich selbst zu „waschen”, um es zur Reinheit zu bringen, in der GOTT – wie sonst nirgends – vollkommen zu sich kommt. René Descartes hat herausgefunden, daß Denken „das Außen” bezweifeln kann. Das war der erste Schritt hin zur „Kritischen Philosophie”, die mit dem Deutschen Idealismus erblühte.

Mit dem ungereinigten Denken, dem „Alltagsverstand”, ist das christliche Abendland in die vom Judentum aufgestellten Fallen getappt, in denen der Christengott verendet ist.

Sie scheinen mir andeuten zu wollen, daß Sie sich gern auf den Deckel seines Sarges setzen würden, damit dieser geschlossen bleibt? Jedenfalls empfinden Sie das Dogma als skandalös, daß Jesus mit dem Tod am Kreuz die Welt erlöst habe. Doch ist diese Symbolik der Schlüssel, der uns das Tor in die Freiheit öffnen wird. Mit dem Kreuz ist der mosaische Trennungsstrich zwischen Gott und Mensch weggenommen. Wie das geht, habe ich in einem „Offenen Brief“ an den RABBINER N u s s b a u m gezeigt.

Das durch Hegel zur Vernunftlogik gereinigte Denken wird die Fangeisen lösen, die die Menschheit in die Gegengeschichte bannen, die gerade in diesen Tagen eine kritische Wende nimmt.

Ihre Frage:

Was aber ist von einem ‚Christus’ zu halten, der in dem Selbsterkenntnisprozess des Götzen Jahwe dieselbe Rolle spielt, die einst Isaak als Blutopfer zugedacht war?”

habe ich nicht verstanden. Können Sie mir da aufhelfen?

Mit allerlei Fragen führen Sie einen Rundumschlag gegen die abrahamitischen Religionen und kommen schließlich bei der Frage an

Brauchen wir diese drei wirklich – oder auch nur eine davon – um der Göttlichkeit des Seins auf die Spur zu kommen?”

Ich finde, wir brauchen keine einzige Religion, denn wir  h a b e n  schon
e i n e , ob uns das gefällt oder nicht.

Was ist „Religion”? Religion ist das Wissen der Völker von ihrem Verhältnis zu ihrem „Höheren Wesen”, das sie selbst s i n d . Dieses Wissen spiegelt sich wider in der Antwort auf Nietzsches Frage „Wozu Mensch überhaupt?”

Zwar kann sich jeder einbilden, daß er „seine eigene Religion” habe; aber er irrt sich über sich selbst.

Vom Einzelwesen unbeeinflussbar wird jedem Menschen, wenn er von „menschlichem Wesen” ist, seine sittliche Substanz aufgeprägt von seiner Familie, in die er hineingeboren ist sowie von dem Gemeinwesen, in dem diese Familie ihre Existenz führt.

Der Prägevorgang ist wesentlich das, was „Bildung” genannt wird. Hegel faßt diesen wie folgt:

Was in Beziehung auf das einzelne Individuum als seine Bildung erscheint, ist das wesentliche Moment der Substanz selbst, nämlich das unmittelbare Übergehen ihrer gedachten Allgemeinheit in die Wirklichkeit, oder die einfache Seele derselben, wodurch das Ansich Anerkanntes und Dasein ist. Die Bewegung der sich bildenden Individualität ist daher unmittelbar das Werden derselben als des allgemeinen gegenständlichen Wesens, d.h. das Werden der wirklichen Welt. Diese, obwohl geworden durch die Individualität, ist für das Selbstbewußtsein ein unmittelbar Entfremdetes und hat für es die Form unverrückter Wirklichkeit. Aber gewiß zugleich, daß sie seine Substanz ist, geht es, sich derselben zu bemächtigen; es erlangt diese Macht über sie durch die Bildung, welche von dieser Seite so erscheint, daß es sich der Wirklichkeit gemäß macht und so viel, als die Energie des ursprünglichen Charakters und Talents ihm zuläßt. Was hier als die Gewalt des Individuums erscheint, unter welche die Substanz komme und hiermit aufgehoben werde, ist dasselbe, was die Verwirklichung der letzteren ist. Denn die Macht des Individuums besteht darin, daß es sich ihr gemäß macht, d.h. daß es sich seines Selbsts entäußert, also sich als die gegenständliche seiende Substanz setzt. Seine Bildung und seine eigene Wirklichkeit ist daher die Verwirklichung der Substanz selbst” (Hegel, „Phänomenologie des Geistes” W3, 365).

Wir  b r a u c h e n  keine Religion; wir brauchen keinen GOTT – Gott braucht
u n s . Uns hat er deshalb in seiner Gewalt und  f r e i  sind wir nur insoweit, wie wir Gott zur Freiheit verhelfen durch Erkenntnis seiner Person.

Wenn wir von jemandem sagen: „Dieser Mensch hat keine Bildung”, so sagen wir etwas über uns aus: Daß w i r Bildung „haben”, der Andere aber nicht.

Das „Bildung-haben” ist R e s u l t a t der „Bildung” im Sinne einer Einwirkung auf das Bewußtsein des Individuums. Bildung-haben gilt als hoher Wert und das Gemeinwesen „läßt es sich etwas kosten”, dieses Gut (Gedankengut) seinen Gliedern angedeihen zu lassen. Dieses Angedeihenlassen erscheint in vielerlei Gestalt, hat aber zum Inhalt nur EINS, daß ich den KERNKONSENS eines Gemeinwesens nenne, ohne den es nicht existiert.

Das Selbstbewußtsein des Kernkonsenses existiert als Institution – in primitiven Gemeinwesen ist es der Häuptling im Verein mit dem „Zauberer”. In der Bundesrepublik Deutschland ist es die Kultusministerkonferenz im Verbund mit dem Bundespräsidenten.

Die Substanz des Kernkonsenses ist eine b e s t i m m t e Weltanschauung (vor der Aufklärung wurde diese Erscheinung „Religion” genannt; der Ausdruck „Weltanschauung” geht wohl auf Kant zurück).

ATHEISMUS ist eine Weltanschauung = Religion als eine m ö g l i c h e Antwort auf die Gottesfrage.

Religions-Freiheit” ist nicht Freiheit, sondern das auf Fremdherrschaft über ein Volk gegründete Unternehmen der Entgeistigung, für das der Ausdruck „Kultureller Völkermord” besser das Wesen der Sache trifft.

Religionsfreiheit als „Grundrecht” ist rechtliche Verneinung (Verbot) der Bildung. Genau das hat der Bundesverfassungsrichter a.D. Prof. Dr. Ernst-Wolfgang
B ö c k e n f ö r d e in einem im Salon der Henkel-Erbin gehaltenen Vortrag zum Ausdruck gebracht.

Unter der Herrschaft des Toleranzgebots sei Erziehung der Jugend unseres Volkes nicht mehr möglich. Die unterschiedlichen Religionen und Weltanschauungen dürften nur als Angebote zur Auswahl durch die Schüler bekannt gemacht werden, denen aber eine Beurteilung des Wahrheitsgehaltes eben deswegen prinzipiell nicht möglich ist. Nur wenn eine bestimmte Religion bzw. Weltanschauung als „die Wahrheit” behauptet werde, könne sich der subjektive Geist daran abarbeiten und ein eigenes Urteil bilden.

Gibt es einen kräftigeren Beweis dafür, daß die Judenheit die Wahrheit der Deutschen Weltanschauung erkannt hat, als mit ihrer hysterischen Jagd auf „rechtes Gedankengut”, die tagtäglich mit medialen Stromstößen in immer wildere Zuckungen versetzt wird?

Sie straft übrigens damit selbst ihre Maxime bezüglich der Toleranz Lügen, indem die Deutsche Weltanschauung im Reigen der Wahl-Angebote nicht erscheint. Bemühungen volkstreuer Kräfte, diese Lücke zu schließen, werden wie Kapitalverbrechen verfolgt.

Ihre den weltanschaulichen Bereich betreffenden Fragen verdienen eine noch umfassendere Erörterung, die Licht auf den Weg geben könnte, auf dem wir verlorene Freiheit wiedergewinnen können.

Ich habe den sehr bestimmten Eindruck, daß in Ihren Überlegungen der Begriff des Lebens und der Entwicklung des Geistes überhaupt keine Rolle spielt.

Woraus schließe ich das?

Sie fragen:

Gibt uns nicht die e i g e n e indo-germanisch-arisch-keltisch-nordische Überlieferung alles an die Hand, um im Bunde mit der daraus entstandenen Deutschen Denktradition bis hin zu Hegel und dann zum Nationalsozialismus alles zu durchdringen, was durchdrungen werden muss, um an die Quellen des Daseins zu gelangen, und aus diesen zu leben?”

Was sagen Sie damit?

Sie setzen eine eigene Denktradition, die Sie von den drei monotheistischen (abrahamitischen) Religionen unterscheiden,
v o r a u s  in der Weise, das letztere auch weggedacht werden könnten ohne daß die „eigene” Denktradition entfiele.

Sie meinen, daß diese „uns alles an die Hand gäbe”, was wir brauchen, um den von Ihnen bestimmten Zweck zu erreichen.

Hier ist das Denken zu einem M i t t e l herabgesetzt und das Leben aus den „Quellen des Daseins” s o l l Z w e c k der Veranstaltung sein.

Abraham”, „Indien”, „Germanien”, „arisch”, „keltisch” und „nordisch” sind nur
N a m e n , denen Sie keinerlei Bedeutung beifügen.

Mit N a m e n können Sie nur „einen Blumentopf gewinnen”, wenn Sie diese in einem Kreis denkender Wesen aussprechen und

    1. diese Wesen mit den Namen eine Bedeutung in ihre Erinnerung rufen können, sowie
    2. Sie und die Adressaten Ihrer Worte mit den Namen dieselben Bedeutungen assoziieren

Ich bin wenig gebildet und vermag mit den von Ihnen genannten Namen keinerlei Erinnerungen abzurufen. Und das Wort „Denktradition” erscheint mir verdächtig.

Mit dem Wort „Denktradition” ist eine Einheit von „Denken” und „Überlieferung”
v o r a u s g e s e t z t . Diese Voraussetzung wird g e s p r e i z t durch die implizite Behauptung, daß es nicht nur eine, sondern mehrere verschiedene Weisen des Denkens

g i b t .

Die vorstehenden Erörterungen sind veranlasst durch den Umstand, daß wir uns über Religion und Weltanschauung austauschen.

Es geht dabei um „den Zweifel” im herausgehobenen Sinne von „Bezweifelung Gottes”. Nichts anderes spielt für uns eine Rolle.

Ausgangspunkt ist ein Satz, der nicht bezweifelt werden kann. Diesen hat René Descartes gefunden: „cogito ergo sum” (Ich d e n k e , also b i n ich). Nach ihm hat Hegel den einfachsten Gedanken gesucht, den Denken in sich hervorbringen kann.

Darüber ist vorstehend das Erforderliche dargelegt worden. Ich habe auch skizziert, daß die Kritik des Denkens zur Erkenntnis zweier u n t e r s c h i e d e n e r  aber  u n t r e n n b a r e r  B e w e g u n g e n  des Denkens, des Systems der „reinen” Gedanken (logischen Bestimmungen), geführt haben, die mit Namen unterscheidbar sind als „Verstand” und „Vernunft”. Die von Ihnen mit dem Wortzeichen „Denken” verbundenen Namen bleiben für mich und wohl auch für andere „bedeutungsleer”. Damit kann man nichts anfangen – oder vielleicht doch?

Diese Leerheit der Sprache ist keine Marotte eines Einzelnen sondern Symptom eines Mißstandes, von dem in besonderer Weise das „nationale Lager” betroffen ist. Mit  N a m e n  befinden wir uns erst im V o r z i m m e r des Denkens, noch nicht im Denken selbst. Um zur Sache zu kommen, bedarf der Name eines Anderen, der Bedeutung. Diese ist ein Gedanke der vorstellenden Intelligenz, in der unausgesprochen l o g i s c h e Formen wirksam sind. In den meisten Fällen ist sich das denkende Subjekt derselben gar nicht bewußt.

Es droht Gefahr!

Vom Vorzimmer gehen drei Türen in den Bereich des Denkens. Zwei davon sind verhangen, alle Hinweise zeigen auf die dritte.

Das ist eine Falle. So sehr das Denken der Weg zu wahrhafter Erkenntnis ist, führt es mehr noch in den Irrtum, der verohnmächtigt.

Bevor man beginnt, „über die Sache” nachzudenken, muß, um den Irrtum zu meiden, über das Denken nachgedacht werden.

Hegel warnte:

Vor Kant hat man bei uns keinen bestimmten Unterschied zwischen Verstand und Vernunft gemacht. Will man aber nicht in das die unterschiedenen Formen des reinen Denkens plumperweise verwischende vulgäre Bewußtsein herabsinken, so muß zwischen Verstand und Vernunft der Unterschied festgesetzt werden, daß für die letztere (die Vernunft) der Gegenstand das An-und-für-sich-Bestimmte, Identität des Inhalts und der Form, des Allgemeinen und des Besonderen ist, für den ersteren (den Verstand) hingegen in die Form und den Inhalt, in das Allgemeine und das Besondere, in ein leeres Ansich und in die von außen an dieses herankommende Bestimmtheit zerfällt, – daß also im verständigen Denken der Inhalt gegen seine Form gleichgültig ist, während er im vernünftigen oder begreifenden Erkennen aus sich selber seine Form hervorbringt. Obgleich aber der Verstand den eben angegebenen Mangel an sich hat, so ist er doch ein notwendiges Moment des vernünftigen Denkens. Seine Tätigkeit besteht überhaupt im Abstrahieren. Trennt er nun das Zufällige vom Wesentlichen ab, so ist er durchaus in seinem Rechte und erscheint als das, was er in Wahrheit sein soll.
(…)
Jedoch kann der Verstand auch umgekehrt einer einseitigen Bestimmung die Form der Allgemeinheit geben und dadurch das Gegenteil des mit dem Sinn für das Wesentliche begabten, gesunden Menschenverstandes werden” (Hegel, Enzyklopädie der philosophischen Wissenschaft § 467 Zusatz / W10 S.285 f)

Der vorstehend erwähnte Vortrag von Böckenförde ist ein eindrucksvoller Beleg, daß und wie in unseren Tagen der Verstand die Menschheit als ganze und in allen ihren Gliedern in den Abgrund reißt. Er macht nämlich bewußt, daß die allgemein als „universelles Menschenrecht” anerkannte „Religionsfreiheit” – genauer: das „Toleranzgebot” – der Freibrief ist für den universellen kulturellen Völkermord. Der islamische Dschihad ist nur  e i n Symptom des akuten Völkermordgeschehens (vergl. Horst Mahler„Die Welt steht in Flammen – Wo hängt der Feuerlöscher”).

Auch die „Nationale Rechte” ist blind für diesen Zusammenhang und läßt sich – mehr oder weniger unbewußt – für die jüdische Strategie des „Teile und herrsche” instrumentalisieren.

Der Verstand ist nicht fähig, die Dialektik der „Religionsfreiheit” zu begreifen. Als „Grundrecht” ist „Religionsfreiheit” die Einführung des ATHEISMUS als die Zwangsreligion der Moderne – und der GOTTESTOD ist der Tod der Völker.

Für die, die ihr Volk lieben, ist

das 1. Gebot:

Verschaffe Dir Klarheit, daß der Feind vermittels seines Zugriffs auf die Formierung des allgemeinen Bewußtseins alles dafür tut, daß „die unterschiedenen Formen des reinen Denkens (der Logik)” – Verstand und Vernunft – durch Verwischung des Unterschieds auf das vulgäre Bewußtsein herabsinkt, das nicht begreift und die Gemeinheiten Satans für Liebesbeweise hält!

das 2. Gebot:

Spüre in den Honigworten der Politiker das Gift auf, das in sie gemischt ist, um Dein Volk zu töten!

das 3. Gebot:

Eigne Dir, so gut es geht, das Denken an, das Hegel dem Deutschen Volk als den Weg zu wahrer Erkenntnis gezeigt hat!

Denn nur dieses Denken setzt Wahrheit in WISSEN; und erst als WISSEN ist WAHRHEIT auch MACHT.

Sie fragen:

Wie denn ist das Judentum in die Welt gekommen? Ist es eine schlichte Erfindung von Moses?”

Wäre „das Judentum” eine „Erfindung Moses”, könnten wir uns heute darüber nicht unterhalten weil wir nichts von Mose wüßten. Er wäre vergessen.

Hoffnungsfroh stimmt mich der Umstand, daß Sie „das Judentum”
o f f e n s i c h t l i c h 
nicht auf die Gene der Hebräer zurückführen. Das bringt uns einander näher.

Vermutlich sind Sie schon mal Menschen begegnet, von denen Sie meinten, daß sie „wirres Zeug” in ihrer Rede von sich geben, was auch andere, die Zeuge wurden, so beurteilten.

Sie haben – wie jeder „vernünftige” Mensch – in sich eine Instanz, die gänzlich unabhängig von Ihrem Willen und Ihren Vorlieben darüber urteilt, was in Reden als „wirr” oder „normal” rüberkommt. Was ist das „Wesen” dieser Instanz?

Ihnen wird von Markus Springer (Sonntagsblatt vom 13.03.2016) der Satz zugeschrieben: „Koraner dürfen eingeladen werden, dort zu leben,
w o   d a s   L e b e n 
n a c h   i h r e n
VORSTELLUNGEN   o r g a n i s i e r t
u n d   e i n g e t e i l t   i s t .” – Bravo!

Würden Sie sich das nicht auch für Juden wünschen, wenn ein „WO” ihr EIGEN wäre, das nach ihren Vorstellungen „organisiert und eingeteilt ist”?

Wenn „eines Mannes Rede” ein ganzes Volk dazu bringt, sein Leben nach jenen Worten zu organisieren und einzuteilen, läge es dann nicht nahe, in den Genossen dieses Volkes etwas zu suchen, das den Worten dieses einen Mannes G l a u b e n schenkt – so stark, daß er Berge versetzt?

Und verdanken wir diesem WUNDER, das an die Dreieinhalb Jahrtausende zurückliegt, nicht unser Gespräch darüber?

Spricht nicht schon „der Beweis des ersten Anscheins” dafür, daß Moses Lehre im Volk der Hebräer – wie ein Embryo im Mutterleib – schon voll ausgebildet lebendig war, und Moses würde sie nur w a c h g e r u f e n haben?

Nun, Hegel hat es nicht beim „Beweis des ersten Anscheins” belassen, sondern ist „den Dingen auf den Grund gegangen”.

Er hat den GEIST (Joh 4, 24) – zwar nicht entdeckt -, aber als BEGRIFF (Logos, Joh 1) im Geist (Denken) erforscht.

Der Geist ist uns unmittelbar (nicht „gegeben”!). Das ist Ur-Erfahrung eines jeden Ich. Was in dieser Erfahrung liegt, hat Hegel im Denken gezeigt und damit die Antwort auf die Frage gegeben: „Was ist der Geist?”. Die Antwort ist das WISSEN, das Gott mit der Deutschen Idealistischen Philosophie von sich erlangt hat. Und GOTT i s t , was er von sich weiß.

Um einen Eindruck zu vermitteln, was den erwartet, der sich auf d i e s e n Gott einläßt, füge ich im Anhang die Inhaltsübersicht bei, die Hegel seinem Werk gegeben hat.

Auch, wer sich auf diesen Gott nicht einläßt, hat Religion; aber eine Religion der Ohnmacht Gottes, der ohnmächtig deshalb ist, weil er sich vom VERSTAND, dem jüdischen Prinzip der Trennung von Gott und Mensch, noch nicht befreit hat. Frei ist der Geist nur in der ihm eigentümlichen Form, dem DENKEN. So ist der Geist selbst der „Hervorbringer seiner Freiheit”.

Sie selbst haben diese Ohnmacht erfahren, indem Ihnen der Gedanke der Trinität Gottes verschlossen geblieben ist, wenn es zutrifft, was als Zitat Ihnen im „Sonntagsblatt” zugeschrieben ist, nämlich, daß der „hanebüchenen Trinitätslehre – dem einzigen Punkt, wo ich mit dem Islam übereinstimme”, die Überzeugungskraft mangele.

Wie geht das mit Ihrem Bekenntnis zusammen, daß die „mutwillige Trennung von Schöpfer und Schöpfung”, Ihnen als „die Ursünde aller ‚Theologie’ (erscheine)”?

Die „Trinitätslehre” ist ein bildhafter Ausdruck der abstraktesten „Definition” Gottes: Der „Identität von Identität und Nichtidentität” (Hegel W5, 74). Mit ihr ist die Trennung aufgehoben.

Die gesuchte Instanz, die unser subjektives Tun – das Denken – richtet, ist das, was im Johannesevangelium „Geist” genannt ist (Joh 4,24).

Ihre pietistische Prägung ist mit dem GEIST „aneinandergeraten”. Das Ereignis hat Sie als Totalschaden zurückgelassen. Diesen hat Hegel in seiner „Phänomenologie des Geistes” analysiert (W3,560).

Ich will versuchen, Ihnen diese Stelle aufzuschließen.

Markus Springer porträtiert Sie im „Sonntagsblatt” unter anderem wie folgt:

C. ist in Großhabersdorf bei Fürth auf einem Bauernhof aufgewachsen, in einer ‚stramm protestantischen Familie’, wie er sagt, der Vater im Kirchenvorstand und im Posaunenchor, weil das halt dazugehörte auf dem Dorf. CVJM und evangelische Jugendarbeit haben ihn dann zum Theologiestudium geführt, in Erlangen und Neuendettelsau. Musik war immer wichtig, vor allem aber  d a s   l e i d e n s c h a f t l i c h e   M o m e n t  in der pietistischen Frömmigkeit. Auch deren Entschiedenheit gegenüber lauen Halbherzigkeiten hat ein kritisches Potenzial, mit dem sich bestehende Verhältnisse infrage stellen lassen.”

So verortet ist Ihr Einsatz für PEGIDA konsequent. Ihr Hadern mit dem Trinitäts-Dogma kündigt einen Durchbruch an. Mal sehen, ob er gelingt.

Jesus hatte ja die Gemeinde als seinen realweltlichen Leib bestimmt. Hegel:

Das Bewußtsein der Gemeinde … hat ihn (den Geist) zu seiner
S u b s t a n z , ebenso als er ihre  G e w i s s h e i t  des eigenen Geistes ist” (Hegel W3, 558).

In der Gemeinde Christi wird die Substanz zum S u b j e k t .

Hegel leistet sich hier eine grundsätzliche Kritik der Kirche als solcher ohne dies für Aussenstehende deutlich werden zu lassen. Der Zeitgeist ließ diese noch nicht zu öffentlicher Erörterung zu.

Ausgangspunkt ist das Verschwinden Jesu als Verschwinden des unmittelbaren Bewußtseins, das ihn sinnlich sah und hörte, das „diesen gegenständlichen Einzelnen, nicht aber sich selbst als Geist weiß” (W3, 556).

Was geschieht?

In dem Verschwinden des unmittelbaren Daseins des als Absoluten Wesens Gewußten erhält das Unmittelbare sein negatives Moment; der Geist bleibt unmittelbares Selbst der Wirklichkeit, aber als  d a s  a l l g e m e i n e   S e l b s t b e w u ß t s e i n   der Gemeine, das in seiner eigenen Substanz ruht, so wie diese in ihm allgemeines Subjekt ist; nicht der Einzelne für sich, sondern zusammen mit dem Bewußtsein der Gemeine, und das, was er für diese ist, ist das vollständige Ganze desselben” (a.a.O.)

Und jetzt – wie man so schön sagt – kommt es ganz dicke.

Was er (der Geist Jesu) für diese (die Gemeine) ist”, ist das Wirkliche. Das ist der Schlüssel für die Enträtselung der Kirchengeschichte. Hegel stößt hier zum Wesentlichen vor:

V e r g a n g e n h e i t und E n t f e r n u n g sind aber nur die unvollkommene Form, wie die unmittelbare Weise vermittelt oder allgemein gesetzt ist; diese ist nur oberflächlich in das Element des Denkens getaucht, ist a l s sinnliche Weise darin aufbewahrt und mit der Natur des Denkens selbst nicht in eins gesetzt. Es ist nur in das V o r s t e l l e n  erhoben, denn dieses ist die synthetische Verbindung der sinnlichen Unmittelbarkeit und ihrer Allgemeinheit oder des Denkens” (a.a.O.).

Hier legt Hegel den Finger in die Wunde, die sich mit der „Aufklärung” entzündet hat und als „Moderne” dem christlichen Abendland den Garaus gemacht hat.

Hegel fährt fort:

Diese F o r m  d e s  V o r s t e l l e n s  macht die Bestimmtheit aus, in welcher der Geist in dieser seiner Gemeine seiner bewußt wird” (a.a.O).

Man kann Hegels Werk als eine einzige Darstellung der OHNMACHT des
V o r s t e l l e n s lesen. Verohnmächtigt ist der Geist Jesu und damit die Welt der gegenwärtigen Apokalypse vollständig gedeutet.

Weiter bei Hegel:

Sie (die Form des Vorstellens) ist noch nicht das zu seinem Begriffe als Begriffe gediehene Selbstbewußtsein desselben; die Vermittlung ist noch unvollendet. Es ist also in dieser Verbindung des Seins und des Denkens der Mangel vorhanden, daß das geistige Wesen noch mit einer unversöhnten Entzweiung in ein Diesseits und Jenseits behaftet ist” (a.a.O).

Das ist nun nichts weniger als der Hinweis, daß die Dogmatik der christlichen Kirchen in der Sackgasse des Judaismus, dem Prinzip der Trennung von Mensch und Gott, gelandet ist. Der Kampf der katholischen Kirche gegen die Deutschen Mystiker ist in dieser Perspektive als Hilfsdienst für Jahwe zu deuten.

Der Pietismus suchte wieder die Nähe zu den Mystikern. Vielleicht ist es dieses Moment, das Sie umtreibt. Vielleicht gelingt es Hegel, die Jesuaner Ihres Schlages wieder mit Christus zu versöhnen, denn

Der I n h a l t ist der Wahre, aber alle seine Momente haben, in dem Elemente des Vorstellens gesetzt, den Charakter, nicht begriffen zu sein, sondern als vollkommen selbständige Seiten zu erscheinen, die sich ä u ß e r l i c h aufeinander beziehen” (a.a.O.).

Quasi ins Stammbuch der Deutschen, die ihr Volk lieben, schrieb er an dieser Stelle:

Daß der wahre Inhalt auch seine wahre Form für das Bewußtsein erhalte, dazu ist die höhere Bildung des letzteren notwendig, seine Anschauung der absoluten Substanz in den Begriff zu erheben und
f ü r   e s   s e l b s t   sein Bewußtsein mit seinem Selbstbewußtsein auszugleichen, wie dies für uns oder  a n  s i c h  geschehen ist” (a.a.O.).

Sich in dieser Lage als „Jesuaner” zu verstehen, ist der Ritt in eine Sackgasse. Ja, ich bin Christ. Jesus ist nur ein nichtssagender Name. Sein Träger ist wirklich „Erlöser” – Christus. Wovon? Vom Vernichtungswillen des eifersüchtigen Jahwe.

Wo bleibt Ihr Beitrag?

Gott ist, als was er sich weiß. Es folgt, daß die Kirche den von Jesus offenbarten Gott überhaupt noch nicht in sich hat, weil das vorstellende Denken ihn nicht zu fassen vermag.

Sie leiden darunter. Unbewußtes Leiden ist in „leidendes Bewußtsein” zu erheben. Dann setzen Selbstheilungskräfte ein. Hegel macht das Leiden bewußt:

Insofern über die Form des Vorstellens und jener Verhältnisse, die aus dem Natürlichen hergenommen sind, und damit besonders auch darüber hinaus gegangen werden muss, die Momente der Bewegung, die der Geist ist, für isolierte nicht wankende Substanzen oder Subjekte statt für übergehende Momente zu nehmen, ist dies Hinausgehen … für ein Drängen des Begriffes anzusehen; aber indem es nur Instinkt ist, verkennt es sich, verwirft mit der Form auch den Inhalt (das ist es wohl was Ihnen widerfahren ist?/HM) und, was dasselbe ist, setzt ihn zu einer geschichtlichen Vorstellung und einem Erbstücke der Tradition herab; hierin ist das rein Äußerliche des Glaubens nur beibehalten und damit als ein erkenntnisloses Totes; das I n n e r l i c h e desselben aber ist verschwunden, weil dies der Begriff wäre, der sich als Begriff weiß” (Hegel W3, 560).

Gegen den Inhalt zu rebellieren statt die Form zu zerbrechen, die ihn hinter dem Berge hält, heißt sein Leben vergeuden – oder?

Das Vorstehende wäre auch nur „Klage” über die Welt, wie sie i s t. Es kommt aber darauf an, zu erkennen, daß es in der Weltgeschichte
v e r n ü n f t i g  zugeht.

Die Abwendung von der Welt ist die Grundhaltung des
O r i e n t a l e n.  Dieser erlebt seine Welt nicht als Herausforderung, sondern als
S t r a f l a g e r.  All sein Trachten ist darauf gerichtet, daraus zu entkommen.

Das Judentum bildet hier den Übergang, indem es wähnt, von seinem Gott auserwählt zu sein, die Welt zu versklaven bzw zu vernichten. Diesem Willen sich mit blindem Gehorsam hinzugeben, ist für die Judenheit die Herausforderung.

Diese ist aber erst abstrakt. Ihr Zweck ist die B e l o h n u n g. Diese schafft keine
W i r k l i c h k e i t.

Erst bei den nordischen Völkern wird die Welt zur konkreten, d.h. inhaltsvollen Herausforderung, die deshalb die Möglichkeit der
G l ü c k s e l i g k e i t  ist, indem die Welt dem Menschen sein göttliches Wesen  a n s c h a u b a r  macht. Religion wird zur

W e l t a n s c h a u u n g.

Erst in diesem Verhältnis wird W e l t Gegenstand der
E r k e n n t n i s. In ihr ist die Wirklichkeit Gottes zu erkennen. Diese aber ist mit dem V e r s t a n d nicht zu fassen. Not ruft die höhere Gestalt des Denkens, die V e r n u n f t , in das Selbstbewußtsein, daß sich als Unterschied zum verständigen Denken e r f ä h r t und in dieser Erfahrung den Geist als E n t w i c k l u n g seiner selbst erfasst.

Sie fragen mich: Wie kommt der Opa in den Säugling?
und
Kann jeder Säugling Opa werden?

Jetzt will er mich veräppeln” – werden Sie im Off sprechen.

Natürlich „veräppele” ich Sie nicht. Ich nehme nur die in Ihren Fragen wirkende Logik „ernst”.

Ihre Frage: „Wie denn ist das Judentum in die Welt gekommen?”
Die Logik: Die Welt ist das Eine; das Judentum das Andere.
Sie fragen nicht: Wie kommt das Denken vom EINEN zum ANDEREN?
Präziser: Wie kommt das Denken zum EINEN?

Im logischen Anfang hat das Denken nur sich: Ich denke, also bin ich.

Hier mache ich eine Pause und warte ab, ob Sie Lust haben, sich auf meine Querulanz einzulassen.

Mit kameradschaftlichen Grüßen

Horst Mahler